Alles rund ums Tragen – mein Senf dazu

Hast du schon mein Interview gelesen? Die zwei Mamas von cluj.at haben mir Fragen rund ums Tragen gestellt und ich hab ihnen meinen Senf dazu gegeben. Wozu gibt es uns TrageberaterInnen überhaupt. Steht ja eh alles im Internet oder ist auf YouTube zu finden. Oder etwas doch nicht?

The Interview

Liebe Petra, erklärst du uns bitte als allererstes, was macht eine Trageberaterin und warum und vor allem wann brauche ich eine?

Zu allererst sind wir dafür da, den Eltern zu zeigen wie Tragehilfe und Tragetuch richtig eingestellt und gebunden werden! Das ist natürlich nicht alles! Wir informieren Familien warum Tragen in der Natur unseres Wesens liegt und haben unheimlich viele Tipps und Tricks rund ums Tragen in unserem riesigen Köfferchen.
Nicht erst einmal habe ich gehört: „Steht ja eh alles in der Beilage oder ist auf Youtube!“. Vieles, aber eben nicht alles, ist so erklärt, dass sich Eltern auskennen und genau da kommen wir ins Spiel!
Wir Trageberaterinnen legen großen Wert darauf, Eltern über die eigene richtige Haltung und die richtige Haltung des Kindes zu informieren! Wir erklären welche Vorteile das Tragen hat, regen das Bauchgefühl der Eltern an und bestärken sie dadurch!
Wann eine Mama eine Trageberatung braucht ist sehr individuell! Natürlich gibt es Eltern die von Anfang an alles „richtig“ machen mit Trage und Tuch! Grundsätzlich denke ich, dass es sinnvoll ist eine Trageberaterin aufzusuchen, wenn man selbst keine Erfahrung mit Trage oder Tuch hat und sich im Umfeld auch niemand mit Erfahrung finden lässt.
Warum? Weil durch Ausprobieren und Herumwurschteln das Tragen schnell ad acta gelegt werden kann, weil es als unangenehm, unpraktisch oder stressig empfunden wird. So kommen Eltern und Baby vielleicht gar nicht in den Genuss des gemütlichen und super unterstützenden Tragens. Das wäre wirklich schade! Außerdem kann eine Trageberaterin helfen, dass es eben nicht zu Rückenschmerzen bei der Tragemama kommt – eben durch richtiges Binden des Tuches und Einstellen der Trage!

Kurz und knapp: ich komm Nachhause zur Familie und erzähle ihr mal viel Wissenswertes rund ums Tragen! Mit dabei habe ich meine Tragepuppe „Schlomo“. Mit dieser zeige ich die richtige Position in der Trage oder eben die Bindeweise  mit dem Tragetuch. Und… Worauf bei Mutter und Kind zu achten ist! Schlomo ist circa so schwer wie ein Baby und daher super geeignet zum Üben. Es gilt: „No training on the real baby!“. Anschließend hat die Mutter reichlich Zeit mit Schlomo zu üben. Wenn sie sich sicher genug fühlt, ist das Baby dran. Ich gehe erst, wenn alle sich sicher fühlen und es sich auch alleine zutrauen!

Wie bist du zur Trageberatung gekommen und wie lange dauert die Ausbildung?

Wie viele andere Mamis auch, habe ich mit meinem ersten Kind meinen beruflichen Fokus verändert. Meine Ausbildung habe ich bei „Die Trageschule Österreich und Schweiz“ gemacht. Der Grundkurs dauert ein Wochenende. Im Anschluss kann der Aufbaukurs absolviert werden. Wie bei jeder Ausbildung gilt auch hier, dass eigenes Interesse, Üben und Spirit mitzubringen ist!

Was ist das Wichtigste, wenn ich mir eine neue Trage für mein Baby zulegen will?

Ein Herzenspunkt von mir: Kauf die Tragehilfe nicht in der Schwangerschaft! Warte ab, bis dein Baby da ist!
Aber da gibt es noch ein paar andere Dinge, auf die du achten solltest.
Die Trage soll die optimale Anhock – Spreizhaltung für dein Kind gewährleisten. Achte darauf, dass der Stoff der Tragehilfe weich genug ist, um sich an den Rücken deines Kindes gut anzupassen. Die Tragehilfe soll das Gewicht deines Kindes gleichmäßig an deinem Körper verteilen. Immerhin sollst du auch Spaß am Tragen haben.

Zu guter Letzt, wähle eine Trage, die für dich und dein Kind passt. Schau nicht, welche Trage deine Freundin verwendet. Achte darauf, mit welcher du dich am Wohlsten fühlst.

Was mache ich, wenn ich eine Trage von einer Freundin bekomme, die vielleicht nicht die neuesten orthopädischen Standarts erfüllt? (Worauf soll ichs achten und was geht gar nicht im Sinne von einer Position, Haltung)

Wir wissen alle, dass Tragehilfen nicht gerade billig sind. Daher wäre meine erste Empfehlung, mit dieser scheinbar unpassenden Trage zu einer Trageberatin zu gehen, die dir dann zeigen kann, wie du deine Trage pimpst. Wenn du merkst, du bist mit dem „aufpimpen“ der Trage nicht zufrieden, dann schau dir bei der Trageberaterin deines Vertrauen an, welche sie noch in ihrem Köfferchen hat.

Was geht gar nicht? Gerader Rücken des Kindes und fehlende Anhock – Spreizhaltung. 

Welche Tragen empfiehlst du und warum, was sind die Unterschiede bei Tragen generell, worauf soll ich achten?

Ich empfehle keine Tragen – warum? Weil jede Mama und jedes Kind andere Bedürfnisse haben.
Geachtet werden sollte, dass der Steg verstellbar ist und so an die Größe des Kindes gut angepasst werden kann. Außerdem soll es bequem für Mama und Kind sein! Die ergonomische Position für das Kind soll gewährleistet werden. Natürlich ist ein weicherer Stoff besser, da er sich leichter an den runden Rücken des Babys anpassen kann.

Hier der Link zu meinem ONLINESHOP

Folgende kurze Übersicht (Beispiele not sponsored):

Komforttrage – Fertig eingestellte Trage mit Hüftgurt, Schnallen und Trägern (z.B. Ergobaby, Manduca)

Fullbuckle – Schnallen an Hüftgurt und Trägern (z.B. Emei, Buzzidil Fidella)

HalfBuckle – Schnallen an Hüftgurt und Träger werden gebunden (z.B. Fräulein Hübsch, Bondolino)

MeiTai – rechteckiges Stück Stoff mit je zwei Bändern an Hüfte und Träger (z.B. Marsupi, MySol)

WrapConversion – ein MeiTai der komplett aus Tragetuchstoff besteht und zu binden ist (z.B. DidyTai, HopTye)

Onbuhimo – Schultergurt mit Schnallen ohne Hüftgurt (z.B. Fidella, Madame Jordan)

Podeagi – keine Schnallen, Kein Hüftgurt, Rückenteil ist um vieles länger und Schulterträger werden am Rückenteil unter dem Popo des Kindes gebunden (z.B. Kokadi, Huckepack)

Ab wann kann ein Baby getragen werden und bis zu welchem Alter?

Von Geburt an, solange es der Mama und dem Kind gefällt und gut tut! Ausgewählte Tragehilfen werden erst ab ein paar Monaten empfohlen!

Am Rücken wird dann getragen, sobald sich Mama und Papa drüber trauen. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass das der Zeitpunkt ist, wo das Baby eine eigene Kopfkontrolle hat und selbst sitzen kann. Dann fühlen sich die Eltern auch meistens bereit. Rückentragen empfehle ich gerne aus einem bestimmten Grund: Irgendwann wird dein Baby so schwer, dass das Tragen vor dem Bauch unangenehm werden kann, weil das Gewicht deine Schultern nach vorne zieht und der berühmte „Schwiegermutterbuckel“ begünstigt wird. Einen Rucksack am Rücken zu tragen ist mit höherem Gewicht angenehmer, als vor der Brust. Ein toller Ausgleich, den du für deinen Körper schaffen kannst. Außerdem, genießt dein Baby das Rückentragen, versprochen. Immerhin hat es so alles im Überblick und schaut mit dir in die gleiche Richtung. Die Umgebung wird mit steigender Mobilität deines Kindes immer interessanter.

Gibt es Babys, die gar nicht getragen werden sollen (vllt bei Hüftleiden?)

Die physiologische Haltung des Kindes wird beim Tragen in Tragehilfe oder Tuch positiv beeinflusst. Viele Kinderorthopäden und Ärzte haben bereits Kenntnis davon und sind ebenso überzeugt vom Tragen in Tuch und Tragehilfe.

Was muss ich als tragendes Elternteil beachten, wenn ich durch das Tragen öfter verspannt bin oder ein schweres Kind habe, gibt es da Tipps?

Trage dein Baby immer körpernah. Es soll kein hängender schlabbernder Rucksack sein! Ab einem gewissen Alter deines Kindes und wenn du dich bereit dazu fühlst, ist der Umstieg auf das Rückentragen eine tolle Sache.
Und natürlich – Ausgleichsübungen und Sport, Sport, Sport!

 

Caro von Springdance (www.springdance.at)

Auf deiner Homepage steht, dass deine Spezialität das Tragen für Eltern mit Narben ist. Bitte erkläre uns, warum dir das so wichtig ist!

Als Kaiserschnitt-Mama weiß ich, dass sowohl seelische als auch körperliche Narben ein gemütliches Tragen behindern können! Ich kenne den Druck beim Tragen auf der Narbe, der für mich am Anfang mehr Schmerz als Druck war. Ich habe die Tragen gewechselt, in der Hoffnung eine Passende zu finden. Einzig und allein, waren es die Babytücher die mich gerettet haben.

Ich habe bei meinen Beratungen gemerkt, das bei Eltern, die eine traumatische Geburt hatten, besonders viel Gefühl mitgebracht werden muss und viele Alternativen gesucht werden. Nachdem ich selbst eine Kaiserschnittmama mit körperlicher und seelischer Narbe bin, weiß ich, wie es der Mama gegenüber geht. Ich versteife mich nicht darauf, dass eine Mama im Tuch tragen muss oder keine bestimmte Trage verwenden soll. Ich biete ihnen Alternativen und bin dann nicht nur als Trageberaterin da, sondern auch als ICH, also grossekleinewunder mit all meinen Tools die ich in meinem Köfferchen dabei habe.

Tragen kann und soll etwas angenehmes sein. Keine Mama soll sich gezwungen fühlen zu Tragen weil es der Trend wünscht.

Zum Abschluss, liebe Petra, sag uns die Vorteile des Tragens in drei Worten!

Nähe – Zwei freie Hände – Mobilität

Aber Achtung – hör auf deinen Körper, dein Kind wird es verstehen, wenn du mal keine Lust hast oder es dir zu schwer ist oder du schmerzen hat! Trage mit bedacht für dich und dein Kind

Lass dich nicht beirren wenn du dein Kind gerade nicht 100tig richtig in Trage und Tuch sitzen hast. Stell diese Zeit in Relation zu der Tragezeit – wenn es gerade ruhig bei dir ist hast du schon gewonnen, nämlich Ruhe und Zeit und gibst deinem Kind Entspannung, weil du es auch selbst sein kannst dann!

Noch Fragen? Termin gewünscht? Dann schreib mir ein Mail an briefe@grossekleinewunder.at

Love&Carry

psssst…. Das Original Interview samt Fotoshootings und Ergebnis findest du auf cluj.at

 

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