Umzug mit Kindern – Chaos pur oder das Sudokuwunder Teil 2

Manchmal hilft es nur noch sich an den Straßenrand zu setzen und Sudoku zu lösen…

Soll ich die letzten Wochen mit euch teilen? Darüber habe ich nachgedacht und bin zu dem Entschluss gekommen, euch zu erzählen wie es mir ergangen ist. Es war wahrlich keine leichte Zeit.

Es ist drunter und drüber gegangen. Mit den Ereignissen und den Gefühlen. Es sind Situationen vorgekommen auf die ich nicht stolz bin und trotzdem weiß ich: Auch ich bin nur ein Mensch. Eine Ehefrau. Eine Mama. In diesem Sumpf der Gefühle hilft es mir dann auch nicht theoretisch alles zu Wissen – was? wieso? weshalb? passiert oder jemand so reagiert. Warum Kinder hibbelig, teilweise unausstehlich werden, wenn es einem selbst nicht mehr gut geht. Eine Spirale – ohne Ende. Kinder spiegeln – alles, wirklich alles. Jede noch so versteckte Emotion finden sie wie Höhlenforscher. Ich kam an einen Punkt, an dem ich mich nicht mehr verstellen konnte. Ich war authentisch mit Null Nervenpuffer. Empathie funktioniert nun mal nicht, wenn zu viel Stressmaxerln da sind. Der Satz: Sich etwas von der Seele zu schreiben/reden bekommt gerade eine besondere Bedeutung für mich. Daher hier meine Zeilen für euch und als Therapie 🙂 für mich:

Vor ein paar Tagen war es so weit – ich bin gegangen. Ich habe die Türe hinter mir zu gemacht und bin raus aus der Wohnung. Ich konnte nicht mehr anders. Raus aus dem Chaos, raus aus dieser Situation. Mir wurde alles zu viel.

Aber vorher noch ein paar Worte zu den letzten Wochen.

What The F… ganz ehrlich, ich gebe es zu, ich bin eine organisierte Frau, Mami, Geschäftsmama. Zeitig habe ich begonnen unsere Kisten in der alten Wohnung einzupacken und natürlich habe ich die Chance genutzt auszusortieren. So waren, sagen wir mal, 70 % unseres Hab und Gutes eingepackt. Wir haben uns super Möbelpacker organisiert, richtig professionelle Kistenschlepper. Der erste Übergabeterminversuch der neuen Wohnung war Anfang Juli. Mein Mann und ich, da wir beide was vom Bau verstehen, wollten die Wohnung ohne unserem Baumeister übernehmen. So, dann hat sich vor Ort herausgestellt, dass es einige Mängel gibt die einen Einzug nicht zulassen. Gut, kein Thema, kann schon mal passieren, dachten wir. Eine Woche hatte die Baufirma Zeit die Liste abzuarbeiten. Der Chef der Umzugsfirma war glücklicherweise sehr entgegenkommend und hat uns den Umzugstermin kostenfrei verschieben lassen. War sicher nicht das erste Mal für ihn. So wurden auch die letzten Kisten erst eine Woche später gepackt. Ich dachte mir, eine Woche früher oder später ist auch schon wurscht. Da wusste ich noch nicht, was auf uns zukommt.

Freitag, 7 Tage später, war es wieder so weit. Diesmal mit unserem Baumeister und ohne mir. Würde der Umzug wieder verschoben werden, wüsste ich nicht, ob ich die Baufirma vor Ort nicht verwurschteln tät – das war mein Gedanke! Dieser Gedanke war gar nicht so abwegig. Dann die Nachricht – Umzug wieder verschoben, bis auf Weiteres. Diesmal konnten wir die Umzugsfirma nicht erneut bitten, den Termin zu verschieben. Das bedeutete, dass alle Kisten, all unser Zeugs, von Möbel bis Vorräten, in eine Ersatzwohnung mussten. Für mich brach in diesem Moment eine Welt zusammen. Alles habe ich rechtzeitig geplant. Ganz ehrlich, mit zwei Kindern hab ich keinen Bock auf Hau Ruck Aktionen. Es war Wurscht. Es war zu diesem Zeitpunkt nicht mal absehbar, wann wir siedeln konnten. Unser Glück war, dass mein Bruder eine Wohnung in Wien hatte, die er genau in dieser Zeit nicht brauchte, da er in den USA war. Trotz allem bedeutete das, alle Kisten in der alten Wohnung aufmachen und drei Taschen mit Gewand und Spielsachen packen, um die nächsten Wochen dort mit der Familie verbringen zu können. Was habe ich meinem Karma angetan? Ich weiß es gibt viel schrecklichere Sachen da draußen: Unfälle, Tod, Terroranschläge; in diesem Moment dachte ich trotzdem nur an meine Skala. Vielleicht kurz zur Erklärung: In bestimmten Situationen, wo Ereignisse mein Leben besuchen, versuche ich an meine Skala zu denken. Die Skala von 1-10. Wie schlimm ist dieses Ereignis? Dieses versuche ich dann auf meiner Skala einzuordnen. Für mich war es eine glatte 10. Ja meine Kinder sind gesund, ja ich habe ein Dach über dem Kopf, ja ich habe einen Ehemann der sich absolut in alles einbringt und mich unterstützt. Ich hatte jedoch einfach keine Energie mehr und ich wollte dieses Erlebnis auch nicht mehr als Abenteuer sehen. Auf dieses Abenteuer kann ich echt gut verzichten. Bis zu diesem Zeitpunkt war es bereits eine emotionale Hochschaubahn für mich. Trotz dem Glück eine Ersatzwohnung zu haben. Jeder der Kinder hat weiß, nicht jede Wohnung ist auf Kinder ausgerichtet und bis man sich eingewohnt hat, braucht es nun mal etwas Zeit. Events von grossekleinewunder und Privatstunden im 22. Bezirk waren zu diesem Zeitpunkt bereits fixiert. Meine Utensilien dafür steckten an zwei unterschiedlichen Orten, in Kisten verteilt. Für mich eine mittlere Katastrophe. Ich, die planende, vorausschauende Geschäftsmama.

Meine Mama kam eine Woche als Unterstützung nach Wien. Meine Oma besuchte uns ein paar Mal, damit meine Jungs in dieser Umbruchszeit was stetiges, hatten, dass sie kennen – die Dedi Omi (ungarisch – Uromi). Natürlich auch der Opa aus dem schönen Niederösterreich hat uns tatkräftig unterstützt und sich extra Urlaub genommen um diese Zeit gemeinsam mit uns zu überbrücken.

In der Wohnung meines Bruders dachte ich mir, werde ich für euch den Umzug schriftlich festhalten, bis ich draufkam, es fehlt was. Mein Laptop – Ladekabel war noch in irgendeiner der 100 Kisten. Täglich kamen solche kleinen Hiobsbotschaften, die mir den Alltag und das Positive immer mehr nahmen. Zwei Tage später erfuhr ich, dass meine Yogamatten für das Event in den Kisten sind. Die Kisten waren zu diesem Zeitpunkt bereits im 22. Bezirk, neben unserer eigentlichen Wohnung, geparkt. Ich freute mich auf mein erstes Sommer Event „grossekleinewunder in the Park“ und auch da hab ich zu mir gesagt „Petra, kein Thema, du schaffst das schon.“ Dann die Info, dass meine Sackerln für meine Goddiebags nicht rechtzeitig ankommen werden. Mein Mann wurde auch noch zwischenzeitlich krank. Irgendwann merkte ich dann, dass meine Energie schwindete.

Es waren „nur“ drei Wochen in der Ersatzbleibe. Drei lange Wochen. Das Gefühl war für mich, als wenn ich am Abstellgleis stehen würde. Ich sehe die Züge vorbeifahren und doch komme ich selbst nicht vom Fleck.

To be continued…