Vom Kaiserschnitt zur Hausgeburt – Die letzte Woche vor der Geburt

Wenn ich an die letzten Wochen zurückdenke, so muss ich feststellen, dass mein Unternehmungsradius, den ich mit Bauch, Wagerl, Kind und Einkaufstaschen hatte, immer kleiner wurde.

14 Tage vor dem errechneten Termin spürte ich Vincent wird früher kommen. Sämtliche Anzeichen sprachen dafür – und ich wurde immer hibbeliger mit der Zeit! Ich kenne meinen Körper mittlerweile sehr gut und alle Infos, die ich über den vorgeburtlichen Prozess las, traten ein. Fünf Tage bereitete sich mein Körper vor.

Auf jedenfall merkte ich in den letzten Tagen vor der Geburt, dass ich mich entleerte – ich besuchte häufiger die Toilette und erbrach auch kurz nachdem ich etwas zu mir nahm. Ich dachte mir zu dem Zeitpunkt : Na siehst du und da heißt es immer vorher einen Einlauf machen – das war völlig unnötig bei mir 🙂 !
Außerdem löste sich mein Schleimpfropf. Ich begann instinktiv meine Kräfte noch besser einzuteilen und zu sparen. Die „letzte“ Wäsche musste gewaschen werden. Mit Arthur wollte ich noch sooft wie möglich auf den Spielplatz und ins Museum gehen oder etwas anderes unternehmen. Obwohl sein geliebtes Ballspielen für mich schon Schwerstarbeit war, versuchte ich ihm bis zum Schluss diesen Wunsch zu erfüllen – auch wenn ich wie ein kleinergrosser Wal aussah. Ich hatte plötzlich das Gefühl, dass mir die Zeit allein mit Arthur, davon lief. Das war ein Gefühl, dass mich immer wieder besuchte und traurig machte. Natürlich freute ich mich auf den zweiten kleinen Zwerg – aber gleichzeitig bedeutete das, dass ich meine Zeit aufteilen musste – meine Liebe würde mehr werden, das wusste ich, aber Zeit – die Zeit der Hund…

Mit meinen Kräften, die ehrlich gesagt bereits sehr rar waren, habe ich begonnen die letzten Sachen, auf meiner nie enden wollenden Todo – Liste, abzuarbeiten. Die Wohnung noch in Schuss bringen, obwohl unsere Putzfrau grad mal vor einer Woche bei uns war. (Aber Kinder können manchmal wie ein Tornado durch die Wohnung fegen.) Unterlagen für die Geburtsmeldung vorbereiten und Ähnliches.

Am Sonntag vor der Geburt hatte ich den ganzen Tag über Wehen, die ca. alle 10 -15 Minuten kamen und die Stärke von mittelmäßigen Regelschmerzen hatten. Meine Mutter, die in Kärnten lebt, besuchte mich am Montag und ich bat sie, die nächsten Tage bei uns zu bleiben. Dafür weihte ich sie auch in unser Vorhaben „Hausgeburt“ ein. Sie war völlig überrascht und versicherte mir, uns dabei zu unterstützen! Sie kümmerte sich um Arthur damit ich rasten und Energie tanken konnte! Ich war so froh, dass sie da war!
In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ging es los.
„Nie und nimmer wartet mein zweiter Sohn noch zwei Wochen! Er will raus – jetzt! Es wird jede Sekunde losgehen!“

 

Foto:cc by sa grossekleinewunder/Petra Etzelstorfer