Der Kaiserschnitt – die erste Geburt

In meiner ersten Schwangerschaft war ich sehr verunsichert und konnte mich auf mein Mutterdasein nicht entspannt einlassen. Immerhin wollte ich die Supermama sein – ich war Diejenige, die alles perfekt machen wollte. Alles rundherum überforderte mich – Familie, Job, Wohnung Partnerschaft,… Und mein organisatorisches und strukturiertes Werkeln kam dann auch noch dazu – manche würden es im letzten Drittel der Schwangerschaft als Nestbautrieb bezeichnen – ja den hatte ich, aber die ganze Schwangerschaft über, was sicher auch nicht einfach für meinen Mann war. Er hat es aber mit Zen-buddhistischer Ruhe über sich ergehen lassen. Aufgrund medizinischer Indikationen wurde ich in Frühkarenz geschickt, was die Situation für mich zuhause nicht besser machte – zu viel Zeit zum Nachdenken, Grübeln und Sorgen machen.
Es war Zeit sich eine eigene Hebamme und einen eigenen Arzt zu suchen. Beide begleiteten uns zur Geburt.
Alles begann mit zeichnenden Wehen und ich kann mich noch gut erinnern – der Tag war sehr prägend für uns. Ab ins Krankenhaus über die Höhenstraße bei blickdichtem Nebel und heißen 30 km/h. Eine skurrile Situation.
Die Geburt war im Endspurt und dann sind plötzlich die Herztöne gefallen und ich merkte, dass mein Umfeld nervös wurde. Der OP wurde informiert und laufend brachten mich mein Mann und mein Arzt auf dem Krankenbett in den OP. Trotz PDA bekam ich im OP eine Vollnarkose, da es um jede Sekunde ging.
Vier Stunden nach dem Kaiserschnitt durfte ich dann endlich meinen Sohn in den Armen halten. Ich merkte eine Distanz – die ich gar nicht wollte – aber sie war da. Ein eigenartiges Gefühl. Das war mein Sohn – wirklich?

Mein Mann kümmerte sich ab der ersten Sekunde rührend und ich war schon fast eifersüchtig über diese Nähe, die die Beiden nach so kurzer Zeit hatten. Er begleitete ihn bei sämtlichen Untersuchungen im Krankenhaus, wickelte und badete ihn und brachte ihn mir immer wieder zum Stillen. Meine Narbe heilte aber sie war überaus empfindlich. Sie schmerzte lange im Gegensatz zu Kaiserschnittnarben Anderer und hatte eine wulstartige Form, die laut meinem Arzt in den nächsten Jahren zurückgehen würde. Meine seelische Narbe meldete sich erst in den folgenden Monaten.

Sowohl mein Mann, als auch ich waren durch die erste Geburt traumatisiert. Wir haben ab und zu darüber geredet. Vor allem wollte ich wissen, wie es ihm ergangen ist, da er während der OP draußen auf das OK der Ärzte wartete und versuchte zu hören ob der Kleine beim Schlüpfen weinte oder schreite. Das Zeichen, dass alles OK war.
In dieser Wartezeit für Werner gab es leider niemanden, der sich um ihn gekümmert hat. Alleine im OP-Kittel stand er in der Schleuse, nicht wissend wie es Frau und Kind geht.
Das war unser erstes Geburtserlebnis.
Zu diesem Zeitpunkt dachte ich nicht mal im Entferntesten an eine Hausgeburt – na wenn im Krankenhaus schon so viel passieren kann, wie soll es dann zuhause sein?
Ein „was wäre wenn“ ist für mich aus heutiger Sicht fehl am Platz und das Leben hätte mich auch nicht auf diese Reise geschickt ohne diese Geburtserfahrung gemacht zu haben. Viele Situationen oder Ereignisse die mir in meinem Leben wiederfahren sind und anfangs nicht positiv wirkten, haben mich zu den Entscheidungen, Handlungen und letztendlich zu dem Menschen gemacht der ich heute bin.
Es gibt nun mal unterschiedliche Wege, um ans Ziel zu kommen und für die erste Schwangerschaft war das unser Weg.
Ich habe bewusst oder unbewusst die Verantwortung über die Geburt abgegeben, ohne auf mein Bauchgefühl, meinen Mutterinstinkt und meiner Natur als Frau zu folgen. Ich wäre zu diesem Zeitpunkt auch nicht in der Lage gewesen, dass Mutterschiff alleine zu führen und in den sicheren Hafen zu bringen.
Wir haben zu Dritt versucht das Geburtserlebnis zu verarbeiten und was ich in den ersten Stunden versäumt habe nachzuholen. Und siehe da – Arthur ist der beste Erstgeborene den es geben kann – fröhlich, gesund, liebevoll, hilfsbereit,….
Foto:cc by sa grossekleinewunder/Petra Etzelstorfer

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