Die starke Mama, die auch mal schlapp macht. Wenn der Körper zu dir spricht!

Wir sind Traglinge!

Meine Kinder zu tragen erfüllt mich mit Liebe, Geborgenheit, Sicherheit,… und so auch meine Kinder. Ich trage aus Leidenschaft. Tragen gehört für mich zu unserem Alltag. Mit den unterschiedlichsten Tüchern und Tragehilfen. Oder einfach nur am Arm, auf den Schultern oder am Rücken, wie ein kleines Äffchen. Meine Kinder ganz nah bei mir zu haben und in der Stadt vor dem ganzen Treiben und der Lautstärke zu schützen, ist mir unheimlich wichtig. Gerade anfangs, wenn sie noch so klein sind.

Meinen ersten Sohn habe ich bis zum achten Monat ausschließlich getragen. Kein Kinderwagen. Er wurde von mir zum Einkaufen, zum Einschlafen, zum Beruhigen, zum Kuscheln und zum Blödeln getragen.

Dann, mit ca. einem Jahr begann ich ihn langsam zu „entwöhnen“. Da ja der Zweite im Anmarsch war. Es war Zeit unser Einschlafritual zu ändern. Traghilfe und Tuch legte ich zur Seite. Als Übergang spazierte ich mit ihm auf meinen Armen im Zimmer auf und ab. Dann kam der nächste Schritt. Kuschelnd im Bett einschlafen. Ich weiß, es gibt unzählige schwangeren Bindeweisen für das Tragetuch und auch die Tragehilfen.

Kurz vor Vincents Geburt wollte Arthur wieder häufiger in meinen Armen getragen werden und so weit es meine Kräfte erlaubten, gönnte ich ihm diesen Luxus noch. Ich wusste, dass bald das frischgebackene Baby an seiner Stelle sein wird. Wobei mit dem Babybauch das gar nicht mehr so einfach war. Nicht nur wegen dem Gewicht sondern der Kugel, die Monat für Monat größer wurde. Ab diesem Zeitpunkt durfte dann der Papa noch mehr tragen.

Meine „Wehwehchen“ am Rücken oder der Schulter konnte ich damals noch gut mit Yoga und anderen Übungen ausgleichen.

Seit der Geburt von Vincent, trage ich nun zwei Kids. Natürlich wollte der Ältere auch wieder getragen werden. Und zwar von Mama, weil Papa-tragen natürlich nicht das Gleiche ist :)

Die meiste Zeit geht Vincent vor, der mit seinen knapp fünf Monaten bereits 8 Kilo wiegt. Gerade in den ersten Wochen wollte er keine Sekunde aus meinen Armen. Ob Bauchschmerzen oder suchende Nähe, Tragen war das Um und Auf und das Einzige was half. Bei unseren langen Spaziergängen, wir besuchen die unterschiedlichsten Spielplätze oder machen die Museen unsicher, kann sich das ganz schön reinhängen. Immerhin sind wir 4-6 Stunden pro Tag unterwegs. In weiser Voraussicht haben wir in den letzten Monaten der Schwangerschaft bereits einen Geschwisterkinderwagen besorgt. In der letzten Woche kam er erstmals zum Einsatz. Warum? Weil mein Körper schlapp macht. Besser gesagt, mein Rücken, meine Schultern, mein Arm und meine Finger. So sehr muss mein Körper bereits schreien, weil ich ihn nicht hören wollte.

Wenn ich das mit dem Weinen eines Babys vergleiche, hätte ich bereits längst auf ihn gehört und zwar beim ersten Zeichen. Aber als „Supermama“ darf ich keine Schwäche zeigen. Tragen ist wichtig, tragen ist „In“. Aber das sind nicht die Gründe warum ich es tue. So kam, was kommen musste. Seit gestern kann ich nur noch im geringen Maß unseren Zwerg tragen. Und Arthur muss fast gänzlich auf diesen Service verzichten.

Ich bin Trageberaterin und habe mir in den letzten Tagen viele Gedanken darüber gemacht, ob mich meine Berufung zusätzlich unter Druck gesetzt hat. Gerade als Trageberaterin erwartet dein Umfeld doch, dass du trägst. Oder doch nicht? Dein Baby im Wagerl – das geht ja gar nicht.

In den letzten Tagen kam mir mein Leitsatz, mein Credo, wieder in den Sinn. Der Satz, der für mich in meinem Job an oberster Stelle steht: „Geht´s der Mama gut, geht´s dem Kind gut.“

Tja, dieser Satz und der Schmerz in Fingern, Arm und Rücken, haben mich dazu gebracht, meine sehr gute Freundin, die Physiotherapeutin, zu kontaktieren. Es dauert immer ein bisschen, bis ich sie aufgrund körperlicher Erschöpfung oder Schmerzen aufsuche. Ehrlich, die Zeichen meines Körpers habe ich diesmal wirklich überhört. Ich frag mich: „Müssen wir Mütter uns wirklich immer so verausgaben? Fehlt die Unterstützung der Großfamilien? Erwarten wir das von uns selbst? Ist es die Gesellschaft?“ Der eigene Körper und die eigenen Kräfte dürfen und sollten doch Vorrang haben.

Nach dem Besuch bei ihr, beschloss ich, den Jüngeren häufiger ins Wagerl zu legen, um so mehr Verschnaufpausen zu bekommen. Kinder, zumindest eines der Beiden und Einkäufe ohne Lift in die Wohnung zu tragen, reicht derzeit völlig aus. Wobei die Großeinkäufe schon immer mein Mann übernommen hat.

Natürlich gibt es unzählige Gründe, warum der Körper zu einem spricht. Die Verantwortung und Bewältigung des Familienalltages als Elternteil. Der Spagat zwischen Job und Familie. Der Körper verträgt nur ein gewisses Pensum an körperlichen und seelischen Belastungen.

Heute begegnete ich einem Opa, der sein Enkelkind in einer Tragehilfe eingepackt hatte. Ein solidarisches Nicken und „Daumen hoch“ haben wir uns geschenkt. Und so toll Tragen ist, so sehr sollte auf die eigenen Kräfte geachtet werden. Ich bewundere jede Mama, jeden Papa, jede Oma und jeden Opa der das Kind trägt und gleichzeitig möchte ich auch an das eigene Körpergefühl appellieren, um die eigenen Grenzen zu wahren.

Auch ich muss darauf achten, dass es mir als Mama gut geht. Das nächste Mal höre ich früher auf dich…ich verspreche es dir, meinem Körper!

 

Foto:cc by sa grossekleinewunder/Petra Etzelstorfer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.