Karl, das Emu

Du hast meine Geschichte, die ich für den Adventskalender von Stadtmama geschrieben habe, verpasst?

Macht nichts. Hier findest du sie nochmal!

Hallo, ich bin Karl, das Emu. Wie? Du weißt nicht wer oder was ich bin? Also eigentlich wollte ich dir heute meine Weihnachtsbaum-Geschichte erzählen, aber wenn das so ist, erzähle ich dir zuerst einmal etwas über mich. 

Ich komme ursprünglich aus Australien und gehöre zu den Laufvögeln. Mein Federkleid trägt die Farben schwarz, braun und grau. Es schillert sogar in der Sonne. Ich habe Ähnlichkeiten mit einem Strauß, aber diesen Vergleich mag ich eigentlich gar nicht. Ach ja, außerdem sind wir Emus üblicherweise Einzelgänger, aber ich bin da eher anders, sagen wir mal aufgeschlossener. Früher wurde meine Art mit Pfeil und Bogen gejagt und daher bin ich ausgewandert. Heute versuchen sie mich zu schützen und das ist auch gut so.

Mein Großonkel Horst ist sogar bis nach Ägypten ausgewandert; dort wo die Pyramiden stehen. Ida, eine Kameldame, hat es ihm angetan und er hat sich unsterblich in sie verliebt.

Mein Ziel hingegen war Tirol. Dorthin wollte ich schon immer einmal. Die hohen Berge, der Schnee, die zünftigen und freundlichen Wesen. Also war dieses Gebiet mein Ziel. Ein guter Freund von mir wollte mich begleiten. Es war Philip, die Landschildkröte.

Philip war ein toller Wegbegleiter und ich war froh, dass wir gemeinsam dieses Abenteuer auf uns nahmen. Wir konnten unterschiedlicher nicht sein. Ich, der schnelle Laufvogel und Philip die gemächliche Landschildkröte. So mussten wir auch in der Nacht marschieren, um überhaupt ans Ziel zu kommen. Um nicht im Dunkeln zu tappen, hatte mein Freund eine tolle Idee. Er nahm einfach eine Taschenlampe und befestigte sie mit einem Klebeband auf seinem Panzer. So war auch nachts unser Weg, zumindest bis zu meinen Knien, beleuchtet. Er war wirklich erfinderisch. Da könnte ich euch noch ein paar andere Geschichten erzählen, aber das vielleicht ein anderes Mal.

In Tirol angekommen, erzählte mir Philip, dass er weiter nach Schweden wandern werde. Mit traurigem Gesicht musste ich mich von meinem guten Freund verabschieden. Aber eine reisende Schildkröte sollte man ja bekanntlich nicht aufhalten.

Nach ein paar Wochen in den Bergen, lernte ich die elegante Eisbärin Hilde kennen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ihr graziler Gang und ihr unverkennbarer Hüftschwung haben mich hypnotisiert. Hilde hatte einige liebevolle Ticks. Ohne ihren Gehstock verließ sie niemals das Haus und sobald sie zuhause war versperrte sie sämtliche Schlösser, damit ja niemand hereinkommen konnte. Obwohl sie so groß und stark aussah, war sie eine sensible Bärin. Ja, auch die dürfen einmal klein und ängstlich sein. Nebenbei liebte Hilde Sonnenblumen. War ja klar, dass ich ihr immer am Freitag blühende, gelbe Sonnenblumen vom Markt mitbrachte.

Nun zur eigentlichen Geschichte, die ich dir unbedingt erzählen wollte:

Das erste gemeinsame Weihnachtsfest von Hilde und mir stand vor der Tür und wir wollten einen ganz besonderen Weihnachtsbaum aussuchen. So machten wir uns am Tag vor Weihnachten auf den Weg in den Zauberwald, der bekannt für seine tollen Bäume war.

Nach einer dreistündigen Wanderung kamen wir an eine Lichtung, wo wir auf einem großen Stein eine Rast einlegten. Der Weihnachtsbaum, den wir aussuchten, durfte auf keinen Fall spitze Nadeln haben, denn das mochte ich gar nicht. Wir sahen uns um und da stand er. Der perfekte Baum. Genau dieser sollte in unserem Wohnzimmer am Weihnachtsabend stehen. Er hatte eine ganz einzigartige Farbe. Das Grün war eine Mischung aus Moosgrün und Leuchtgrün. Er glänzte wie ein Smaragd in der Sonne. Jetzt hieß es nur noch den Baum nach Hause in unser Wohnzimmer zu bekommen. Nur wie?

Mit meinem Schnabel konnte ich ja so einiges hacken und anpicken aber so einen Baum fällen war dann doch nochmal eine größere Nummer. Ich versuchte trotzdem mein Glück und begann eifrig den Baumstamm mit meinem Schnabel zu bearbeiten. Aber irgendwie tat sich da gar nichts. Nach einiger Zeit merkte Hilde meine Erschöpfung, stand auf und schubste mich liebevoll auf die Seite. Jetzt war sie dran es zu versuchen. Mit ihren großen und festen Pratzen versuchte sie den Baum umzustoßen. Hilde hatte zu dieser Zeit über 400 Kilo – es half nichts. Der Baum wollte einfach nicht gefällt werden.

Plötzlich stand ein roter Wolf am anderen Ende der Lichtung und kam langsam näher. Irgendwie kam er mir bekannt vor und da wusste ich, den kenn ich doch. Aber woher? Da schoss es mir wie ein Blitz durch den Kopf: Es war Friedrich der Wolf mit seinem edlen Zauberstab, der bereits aus seinem Rucksack herausschaute. Hilde und ich sahen uns an und dachten in diesem Moment genau das Gleiche. Friedrich hat sicher einen super Zauberspruch parat. Und so war es. Er sprach die Worte:

Dich Weihnachtsbaum bringen wir nachhause, Danach gibt’s eine gute Jause,

Es geht ganz schnell, Und leuchten wirst du uns schön hell.

Schon fiel der Baum um, einfach so. Unglaublich! Der Friedrich hat ́s echt drauf. Hilde musste sogar mit einem riesigen Sprung nach rechts ausweichen, damit der Baum sie nicht erschlug. Anschließend gönnten wir uns die gute Jause. Die hatten wir uns auch echt verdient. Für mich gab es Maulbeeren und Knäckebrot, die ich genüsslich verschlang. Hilde hatte in der mobilen Tiefkühltruhe frische Fische dabei und für den Wolf hatten wir unsere selbst gemachten vegetarischen Würstchen mit.

Nachdem uns Friedrich so toll geholfen hatte, wollten wir ihn unbedingt am 24. Dezember bei unserem Fest dabei haben. So luden wir ihn ein und er freute sich riesig. Vor allem weil er sonst alleine Weihnachten verbracht hätte.

So tolle Freunde um mich zu haben, auch wenn wir alle noch so verschieden sind, macht mich richtig glücklich. Wir wünschen uns doch alle das gleiche: Liebe, Gesundheit, Familie, Freunde und Frieden. In diesem Sinne wünsche ich dir eine besinnliche Zeit mit deinen Liebsten. Auf das wir uns bald wieder lesen!

Alles liebe Karl, das Emu

 

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