Tagebuch einer Trageberaterin #2

Den ersten Teil schon gelesen? noch nicht… hier der Link dazu TAGEBUCH EINER TRAGEBERATERIN #1

Wie geht es nun weiter? Hier ist schon der zweite Teil meiner Trilogie…

Ohne Navi geht auch beim Radlfahren nix bei mir. Seit der Schwangerschaft habe ich irgendwie den Orientierungssinn verloren. Liegt wohl an den Hormonen, obwohl ich Pfadfinderin war. Einnorden und Morsen hab ich sicher noch drauf. Daher wird das Handy zackig zum Navi umfunktioniert und ab geht die Post.

Pünktlichkeit steht für mich, neben Individualität und Flexibilität, an oberster Stelle. Lieber 15 Minuten zu früh, als eine zu spät. Denn, sollte ich mal zu früh da sein, wird die Zeit kurzerhand zur Officearbeit genutzt. Emails beantworten. Facebook Post rausschicken oder einen kurzen Anruf tätigen. Jede Zeit als Zweifachmama und Businessmum will genutzt sein.

Also Radl ich nach Essling los. Angekommen, werde ich herzlich empfangen. Meistens wird mir Wasser oder Kaffee angeboten, was ich dankend annehme. Schlomo und das Tragezeugs werden aus der Tasche gepackt. Ich frage nochmal nach meinem „Auftrag“ nach, um die richtige Richtung der Beratung für die Familie einzuschlagen.

Denn zwischen dem Erstkontakt und dem Termin können sich immer wieder die Wünsche oder Bedürfnisse ändern. Kann sein, muss nicht sein.
Und dann geht es auch schon los. Während ich die unterschiedlichen Tragen und Tücher vorführe gibt es wichtigen Input zum Tragen und zur Bindung, sowie zu den Vorteilen für Mama, Papa und Kind.

Für Fragen gibt es immer reichlich Platz und da meine Beratungszeit je nach Bedarf sehr flexibel ist, kann es sein, dass ich 1,5 bei einer Familie bin oder doch 3 Stunden. Diese Familie weiß jedoch ganz genau was sie will. Hard Facts des Tragen werden besprochen. Nach kurzer Zeit steht der Favorit fest. Ja manchmal geht es ganz schön zackig, dass ich selbst ganz überrumpelt bin. Aber genau deshalb gibt es bei mir eine flexible Zeitwahl – jede Familie entscheidet selbst, wann sie bereit ist mich wieder gehen zu lassen.

Zu guter Letzt kommt auch schon mein bekannter Abschlusssatz: Wenn ich jetzt gehe, hinterlasse ich bei euch ein gutes Gefühl mit eurem Tragegadget?
Und wenn gezögert wird, weiß ich, hoppla irgendwo happerts noch. Und gemeinsam mit der Familie finden wir heraus wo.

Aber wie schon gesagt, ganz überrascht waren wir nach 30Minuten fertig. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Tragemami bereits vor meinem Besuch den Laptop glühen hat lassen. Recherchiert, bis die Tasten heiß wurden, damit sie optimal für diesen Termin vorbereitet ist.

Na gut, dass es das Internet und Dr. Google gibt. Und trotzdem, war sie ganz erstaunt, was sie alles NICHT im WORLDWIDEWEB gefunden hat. Das erfreut mich, nicht deshalb, weil die Mama nicht fündig geworden ist, sondern, weil es genau aus diesem Grund UNS TRAGEBERATERINNEN GIBT und Eltern nicht allzu selten einen großartigen AHA-EFFEKT haben.

Alles klar, das ging schnell. Zackig zusammenpacken.

Genial, da hab ich bis zur nächsten Beratung sogar noch Zeit einen Kaffee zu trinken, Emails zu beantworten und a bissal Social Media zu betreiben. Jup – in der heutigen Zeit ein wichtiges Tool, das zu einem Zeitfresser werden kann. Eine Sucht, wenn man nicht aufpasst. Daher schau ich auf meine schlaue Liste und picke mir gezielt eine Sache heraus, das ich nicht im Sumpf von Facebook und Instagram verschwinde.

Alles rein ins Lastenrad und ab in die Nähe zu Termin Nummer 2  in der „Seestadt“. Da gibt’s den herrlichen „Bäcker Leo“ oder das geniale „United Cycling In“ das den besten Kaffee hat – zumindest für mich.
Schwups schon ist der Kaffee bestellt und mein mobiles Büro ausgepackt. Hau rein in die Tasten, 30min hast Zeit, Petra.

Tick Tack Tick Tack Tick Tack

Und schon parke ich mit dem „grünen Drahtesel“ vor dem nächsten Termin.

Ich packe wieder meine Tasche aus und starte mit der Beratung. Eltern plus Kind sitzen auf der Couch. Es ist nicht zu übersehen, dass sie mit dem Tragezeugs noch keine Berührungspunkte hatten. Langsam und mit viel Geduld erkläre ich alles rund ums Tragen. Was es so mit der Bindung auf sich hat. Das Baby ist gerade mal zwei Wochen alt und wir machen ganz entspannt kleine Pausen zwischendurch, damit das Kind versorgt werden kann und die Eltern nicht das Gefühl haben etwas zu verpassen.

In dieser Anfangszeit ist es super wichtig, sich auf die Bedürfnisse dieser Familie einzustellen – alle sind frisch geschlüpft – auch die Eltern sind in ihrer Anfangszeit. Und als Familienbegleiterin weiß ich auch – stelle nie Fragen mit denen du die „Büchse der Pandora“ öffnest. Fragen wie: Wie läuft es mit dem Stillen? Wie war die Geburt? Wie ist der Sex nach der Geburt?

Denn was da als Antwort kommen kann, überrollt die gesamte Situation, wie eine Lawine einen armen Skitourengeher.

Viele Eltern die mich buchen, wissen, dass ich auch Familienbegleiterin bin und da ergeben sich ab und an ein paar Fragen zu den Themen die eine junge Familie nun mal beschäftigen. Natürlich beantworte ich diese Fragen und gebe Tipps oder zeige Möglichkeiten und Optionen auf.

Aber nun zurück zur Trageberatung. Wir sind fertig. Denn nachdem ich alles vorgezeigt habe, hat sich die Familie ein paar Tragen nach dem Ausschlussprinzip ausgesucht und schwups wurde schon der Favorit nach ein paar mal probieren festgelegt. Damit hab ich gar nicht so schnell gerechnet. So kann ich mich täuschen. Ich dachte, ich bin sicher mindestens zwei Stunden hier. Aber nach 1,5 sind wir auch schon fertig. Mama hat entschieden und Papa sucht die Farbe aus, denn er will ja immerhin auch mittragen und Pink kommt für ihn nicht in Frage.


Das nenn ich fair – Trage und Farbe wird jeweils vom anderen ausgesucht. Meine Jungs lieben Pink, aber jedem das seine. Dazu sei gesagt, für alle Papas da draußen die „Angst“ vor Pink haben, nicht vor der Sängerin, natürlich vor der Farbe: Rot und alle Abwandlungen dieser Farbe wie Pink, Bordoux, Kaminrot, Dunkelrot, Rosa, Pastelrosa, Neon Pink und und und – jap, diese Farbe war früher einmal die Farbe des Mannes – So, don ́t be afraid of it!

Zügig packe ich meine Tragen und Tücher wieder ein, Schlomo darf auch nicht fehlen und stelle meine Rechnung aus. „Können wir das auch Überweisen?“ Na klar könnt ihr das.

Beim zusammenpacken meiner Tragen zeige ich den Eltern noch wie sie ganz einfach ihre eigene zusammenlegen können, um unterwegs Platz zu sparen und sie gleichzeitig nicht dreckig zu machen.

Dankbar werde ich entlassen und so mache mich schon auf den Weg zum Prater.

Sei gespannt, denn weiter geht es dann mit Teil #3

 

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