Unser erstes Jahr zu viert – So ein Tag…

Ich habe mir selbst ein Versprechen gegeben, das Versprechen ehrlich zu schreiben und, dass ich nichts verschönern werde. Es gibt unzählige Blogs, die über das tolle, aufregende, schöne, spontane, geplante,…. Familienleben berichten. Bei einigen lese ich selbst mit, weil sie wirklich interessant und mitreißend sind. Es gibt aber Tage, Wochen und Monate, wo es vielleicht nicht rund läuft. Ich bin gerade an diesem Weg.

Eigentlich wollte ich nach dem letzten Artikel etwas über das erste Zusammentreffen der Brüder schreiben. Diesen werde ich auch noch online stellen. Heute möchte ich andere Gedanken, die aktuell in meinem Kopf herumschwirren, mit euch teilen.

Ich habe das Gefühl in einer nie enden wollenden „Überforderungswoche“ festzustecken. Jeden Tag bemühe ich mich es besser zu machen, effizienter, geduldiger, schneller, „multitaskfähiger“ zu sein. Und ein paar Stunden schaffe ich es auch den Tag und den Haushalt in geregelten Bahnen zu schaukeln. Doch dann kommt etwas kleines Unvorhergesehenes und wirft alles aus der Bahn.

Mit großem Respekt habe ich den Tag erwartet, an dem ich das erste Mal alleine mit beiden Kids rausgehen durfte. Nach zwei Wochen war es so weit. Schweißgebadet war ich. Von oben bis unten. Wen ziehe ich als erster an, wer wird am längsten in der Wohnung schwitzen. Und dazu kam noch das ich unbedingt mit Tragetuch meinen ersten Ausflug auf den Spielplatz machen wollte – immerhin bin ich Trageberaterin. Meine Anforderung an mich. Dementsprechend war ich fix und fertig als ich gerade mal bei der Tür draußen war.

Der Eine schreit, weil er nicht angezogen werden will, der Andere, weil er grad nicht ins Tuch gepackt werden möchte. Ganz ehrlich – das war mehr als eine Herausforderung für mich. Ich dachte nur: „Wird das jetzt jeden Tag so sein? Hoffentlich nicht! Es wird sicher besser.“ Jeder sagt, es wird besser. Alles wird und muss mit der Zeit besser werden. Ich hoffe es. Aber ordentlich verzweifelt bin ich von Zeit zu Zeit schon.

Ich versuche noch immer jeden Tag aufs Neue meine gewohnte Ordnung beizubehalten. Aufstehen, Kinder wickeln, selbst duschen (das möchte ich nicht aufgeben), Zähneputzen, Frühstücken, anziehen, Spielplatz/Museum/Zoo/diverses Andere, vorher eventuell noch für das Mittagessen einkaufen, nach dem Spielplatz nachhause. Wenn ich dann mit den Beiden nachhause komme, und der Ältere ist eingeschlafen, trage ich das Baby vor mir, den großen Bruder über der einen Schulter, Wickeltasche und Einkäufe über der anderen bis in den ersten Stock – kein Lift. Und wieder komme ich schweißgebadet in unserer Wohnung an.

Ein Tagesablauf bringt derzeit gefühlte unzählige „Kämpfe“ mit sich. Das beginnt beim Zähneputzen und endet beim An- und Ausziehen. Von einem Tag zum anderen hat der Älter beschlossen sich beim Anziehen zu wehren und davon zu laufen, ich dachte das bleibt uns erspart. Ich habe jeden einzelnen Trick versucht. Jeden Tipp den ich anderen Mamis gebe, wenn sie mich fragen. Nichts hilft derzeit.

Natürlich ist meine Geduld auch nicht mehr die, die ich vor dem zweiten Baby hatte. Seit seiner Geburt sind die Nächte noch kürzer. Wie viele andere Kinder plagen auch das Baby Verdauungsprobleme. Mein Mann und ich teilen uns die Nächte auf. Mein Mann, obwohl er Arbeiten geht, steht jede Nacht auf und trägt, wickelt, schaukelt, summt und singt unserem Baby etwas vor. Es zehrt an unser aller Nerven. Verständlicherweise ist dann mein Nervenkostüm sehr dünn besäht. Ich bemühe mich und jedes Mal wenn ich merke meine Empathie geht flöten, tut es mir leid, dass ich meine Kinder nicht mehr verstehe. Wie soll ich bitte emphatisch sein, wenn ich so wenig Schlaf habe und mich dauergestresst und getrieben fühle? In der Nacht switche ich von einem Kind zum anderen? Unter Tags versuche ich das Chaos nicht gewinnen zu lassen und die Mittagspause, sollten beide schlafen, bemühe ich mich, mich auch hinzulegen und nicht an meine ToDo liste zu denken. Was mir leider nicht immer gelingt.

Ich weiß manchmal nicht was der Kleine von mir will oder was der ältere Bruder gerade versucht mir zu sagen, wenn er wieder mit Zeugs um sich wirft oder mit den Füßen gegen die Türe tritt.

Ja, ich bin Familienbegleiterin. Ja, ich reflektiere mich sehr stark und versuche sehr emphatisch mit meinen Kindern umzugehen. Aber jetzt und hier bin ich Mama. Ja, ich habe eine Beziehung auf Augenhöhe mit meinen Kindern, aber derzeit ist sie sehr anstrengend für mich und ich habe das Gefühl funktionieren zu müssen. Für uns alle. Ich wünsche mir vom Nikolo mehr Geduld, Leichtigkeit, Harmonie,…

Es geht bei uns nicht 24/7 drunter und drüber, aber ein bisschen mehr Leichtigkeit im Tag wäre fantastisch und ich weiß, dass es an mir liegt diese Leichtigkeit und wahrscheinlich auch „Wurschtigkeit“ gegenüber Haushalt und Co aufzubringen.

In den letzten Wochen fühle ich mich teilweise wie eine Gottesanbeterin (das Tier), die nach dem Geschlechtsakt das Männchen auffrisst. Ehrlich gesagt, muss mein Mann schon einiges aushalten und irgendwie erwarte ich mir das auch. In vielen Situationen gleicht er mich aus. Manchmal ist die „Gleichberechtigungswaage“ so schief, dass wir uns richtig fetzen.

Natürlich ist das jetzt ein Eingeständnis, dass ich nicht so leicht mache, aber es stimmt. Er muss echt viel aushalten und ausbalancieren. Wie oft sagt er mir, dass ich eine fantastische Mama bin, obwohl ich ihn fünf Minuten vorher angeschrien habe.

Heute ist so ein Tag. Ein Tag, an dem ich das loswerden möchte, dass nicht alles immer rosig ist. Ob ich im Babyblues bin…. ich weiß es nicht….ob ich gerade überfordert bin …. Ja… ich bin überfordert. Ja, ich kann derzeit meine Ansprüche an mich selbst nicht runterschrauben. Es ist mir aber klar, dass ich sie mit zwei Kindern anpassen muss. Sonst werde ich mich immer getrieben fühlen und das will ich nicht.

Ich bewundere alle Mamas, die nebenbei noch Backen, Basteln, Nähen, … Ich wüsste nicht wann ich das noch unterbringen sollte. Mein Hobby ist das Schreiben und Lesen – und zudem komme ich leider viel zu wenig. Wenn ich meinen Rhythmus wieder finde, wird es mir sicher besser gehen.

Mein Ziel für diese restliche Woche ist: Einmal am Tag mit meinen Kindern rausgehen ohne schweißgebadet zu sein :)

Meine Gedanken sind heute bei allen, die sich angesprochen fühlen durch diese Zeilen. Sie sind ehrlich und unverblümt.

 

Foto:cc by sa grossekleinewunder/Petra Etzelstorfer

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